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Welche Nährstoffe bei ADHS häufig diskutiert werden

  • Autorenbild: hanna
    hanna
  • 8. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Wenn über ADHS gesprochen wird, dauert es meist nicht lange, bis auch das Thema Ernährung auftaucht.


Auf Social Media finden sich unzählige Beiträge über Eisen, Magnesium, Omega-3, Vitamin D oder die Darm-Hirn-Achse. Manche versprechen sogar, dass sich ADHS durch die richtige Ernährung oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel vollständig beheben lasse.


Als Familie, die selbst mit ADHS lebt, begegnen wir diesen Aussagen regelmäßig.

Und gleichzeitig merken wir, wie schwer es oft ist, zwischen berechtigten Hinweisen und überzogenen Versprechen zu unterscheiden.


Deshalb möchten wir in diesem Artikel einen sachlichen Blick auf die Frage werfen:


Welche Nährstoffe werden bei ADHS tatsächlich häufig diskutiert – und was sagt die aktuelle Wissenschaft dazu?



Zwischen Alltag, Familienleben und Ernährung suchen viele Familien nach Antworten. Eine ausgewogene Ernährung kann das Wohlbefinden unterstützen – ADHS lässt sich jedoch nicht auf einzelne Nährstoffe oder Mangelerscheinungen reduzieren.
Zwischen Alltag, Familienleben und Ernährung suchen viele Familien nach Antworten. Eine ausgewogene Ernährung kann das Wohlbefinden unterstützen – ADHS lässt sich jedoch nicht auf einzelne Nährstoffe oder Mangelerscheinungen reduzieren.

Vorweg: ADHS ist keine Mangelerscheinung


Bevor wir auf einzelne Nährstoffe eingehen, ist uns ein Punkt besonders wichtig.

ADHS gilt nach aktuellem wissenschaftlichem Stand als neurologische Entwicklungsstörung mit einer starken genetischen Komponente.


Das bedeutet:

Ein Mangel an Eisen, Magnesium oder anderen Nährstoffen verursacht nicht einfach ADHS.


Genauso wenig verschwindet ADHS automatisch, wenn ein möglicher Mangel ausgeglichen wird.


Das bedeutet jedoch nicht, dass Ernährung unwichtig wäre.

Denn Nährstoffmängel können das allgemeine Wohlbefinden beeinflussen und Symptome wie Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Reizbarkeit oder innere Unruhe verstärken.


Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.



Eisen – der am häufigsten untersuchte Nährstoff


Wenn es um ADHS und Nährstoffe geht, wird Eisen besonders häufig genannt.

Dabei geht es meist um den sogenannten Ferritinwert, also die Eisenspeicher des Körpers.


Der Hintergrund:


Eisen wird für die Bildung von Dopamin benötigt.

Dopamin spielt bei ADHS eine wichtige Rolle, weshalb Forscher seit vielen Jahren untersuchen, ob hier Zusammenhänge bestehen.


Einige Studien zeigen tatsächlich, dass Menschen mit ADHS häufiger niedrigere Ferritinwerte aufweisen als Vergleichsgruppen.

Wichtig ist jedoch:


  • Nicht jeder Mensch mit ADHS hat einen Eisenmangel.

  • Nicht jeder Eisenmangel führt zu ADHS.

  • Eine Eiseneinnahme sollte nur nach ärztlicher Abklärung erfolgen.


Gerade bei Eisen gilt:

Mehr ist nicht automatisch besser.



Omega-3-Fettsäuren


Omega-3-Fettsäuren gehören zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungen im Zusammenhang mit ADHS.


Besonders die Fettsäuren EPA und DHA stehen dabei im Fokus.


Einige wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen, dass Omega-3-Präparate bei manchen Menschen zu kleinen Verbesserungen bei Aufmerksamkeit und Impulsivität beitragen können.


Die Wirkung fällt jedoch deutlich geringer aus als die von ADHS-Medikamenten.

Trotzdem achten viele Familien bewusst darauf, regelmäßig omega-3-reiche

Lebensmittel in den Speiseplan einzubauen, beispielsweise:


  • fetten Seefisch

  • Leinöl

  • Walnüsse

  • Chiasamen



Vitamin D


Vitamin D wird inzwischen bei vielen gesundheitlichen Themen diskutiert – auch bei ADHS.


Einige Untersuchungen fanden bei Menschen mit ADHS häufiger niedrigere Vitamin-D-Spiegel.


Ob daraus jedoch ein ursächlicher Zusammenhang entsteht, ist bisher nicht geklärt.


Derzeit gibt es keine ausreichenden Belege dafür, dass Vitamin-D-Mangel ADHS verursacht oder dass eine Supplementierung die Symptome zuverlässig verbessert.


Dennoch kann es sinnvoll sein, einen ausgeprägten Mangel ärztlich abklären und behandeln zu lassen.



Magnesium


Kaum ein Nährstoff wird in sozialen Medien so häufig mit ADHS in Verbindung gebracht wie Magnesium.


Oft wird behauptet, Magnesium könne ADHS-Symptome deutlich verbessern oder dass ADHS-Medikamente automatisch einen Magnesiummangel verursachen würden.


Für solche pauschalen Aussagen gibt es derzeit jedoch keine belastbaren wissenschaftlichen Belege.


Einige Studien fanden zwar niedrigere Magnesiumwerte bei Menschen mit ADHS, die Ergebnisse sind jedoch nicht eindeutig.


Außerdem ist bisher nicht nachgewiesen, dass Medikamente wie Methylphenidat grundsätzlich einen Magnesiummangel verursachen.


Was jedoch vorkommen kann:

Durch Appetitminderung essen manche Menschen unter einer Medikation weniger, wodurch langfristig auch die Nährstoffzufuhr sinken kann.


Das betrifft aber nicht speziell Magnesium.



Zink


Auch Zink wird regelmäßig im Zusammenhang mit ADHS untersucht.

Einige Studien fanden niedrigere Zinkwerte bei Kindern mit ADHS.


Da Zink an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt ist, wird vermutet, dass ein Zusammenhang bestehen könnte.


Die bisherigen Ergebnisse reichen jedoch nicht aus, um allgemeine Empfehlungen für eine Zinksupplementierung bei ADHS auszusprechen.



Die Darm-Hirn-Achse – ein spannendes Forschungsfeld


In den letzten Jahren hat die Forschung zur Darm-Hirn-Achse viel Aufmerksamkeit erhalten.


Dabei geht es um die Wechselwirkungen zwischen Darm, Nervensystem und Gehirn.

Das Thema ist wissenschaftlich spannend.


Gleichzeitig wird es in sozialen Medien häufig vereinfacht dargestellt.

Aktuell gibt es Hinweise darauf, dass Darmgesundheit, Ernährung und Mikrobiom Einfluss auf verschiedene körperliche und psychische Prozesse haben können.


Die Aussage:

„ADHS entsteht durch einen kranken Darm“


ist nach aktuellem Forschungsstand jedoch nicht belegt.

Ebenso wenig gibt es Beweise dafür, dass eine bestimmte Darmkur ADHS beseitigen kann.



Warum wir das Thema differenziert betrachten


Als Familie erleben wir selbst, wie groß der Wunsch nach einfachen Lösungen sein kann.

Gerade wenn der Alltag anstrengend ist, klingt die Vorstellung verlockend, dass ein bestimmtes Supplement oder eine Ernährungsumstellung alle Probleme lösen könnte.


Die Realität ist meist komplexer.


Eine ausgewogene Ernährung kann das Wohlbefinden unterstützen.

Ausreichender Schlaf, Bewegung, passende Rahmenbedingungen und gegebenenfalls eine medizinische Behandlung können ebenfalls wichtige Bausteine sein.


Doch ADHS lässt sich nicht auf einen einzelnen Nährstoff reduzieren.



Unser Fazit


Viele Nährstoffe werden bei ADHS diskutiert.

Besonders häufig genannt werden:


  • Eisen

  • Omega-3-Fettsäuren

  • Vitamin D

  • Magnesium

  • Zink


Für einige dieser Nährstoffe gibt es interessante wissenschaftliche Hinweise.

Die bisherige Studienlage reicht jedoch nicht aus, um ADHS als reine Folge von Nährstoffmängeln zu erklären.


Wer den Verdacht auf einen Mangel hat, sollte dies ärztlich abklären lassen, statt sich ausschließlich auf Empfehlungen aus sozialen Medien zu verlassen.


Denn eine gute Versorgung mit Nährstoffen kann hilfreich sein.

Sie ersetzt jedoch nicht die individuelle Betrachtung eines Menschen mit ADHS.



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